
Drei Ziele in und über Lindau, die zusammen keinen Euro Eintritt kosten und keine Öffnungszeit haben: eine Burgruine im Park, ein Findling aus der Eiszeit auf einem Hügel und ein Steinstrand am Rand der Insel. Was sie verbindet, ist nicht nur die Eintrittsfreiheit — es ist eine Satzung, die bestimmt, wo das Rad rollen darf und wo du schiebst.
Die Stadt Lindau hat ihre Grün- und Spielanlagen am 3. Dezember 2021 in einer eigenen Satzung geordnet. In § 2 zählt sie Verhaltensweisen auf, die in diesen Anlagen untersagt sind, darunter unter Nummer 7: „Radfahren und Reiten außerhalb der für diese Zwecke ausgeschilderten Wege und Flächen“. Entscheidend ist die Richtung dieser Regel. Nicht das Verbot braucht ein Schild, sondern die Erlaubnis.
Zwei der drei Ziele stehen im Verzeichnis dieser Satzung: der Lindenhofpark unter Nummer 14, die Gerberschanze unter Nummer 16. Wer dort vorsätzlich gegen § 2 verstößt, kann nach § 7 mit einer Geldbuße bis zu 2.500 Euro belegt werden; bei geringfügigen Verstößen genügt eine Verwarnung, und Ausnahmen sind auf Antrag möglich. Welche Wege in diesen beiden Anlagen als Radwege ausgeschildert sind, nennt die Satzung nicht. Für die Planung heißt das: Rechne mit Schieben, nicht mit Fahren.
Der Lindenhofpark ist nach Angabe von Lindau Tourismus „ganzjährig täglich geöffnet“ und zwar „ohne zeitliche Beschränkung“, der Eintritt ist frei, die meisten Wege sind rollstuhlgeeignet, und geparkt wird am Westeingang beim Lindenhofbad. Mitten darin liegt die Burgruine Degelstein, von der nur Mauerreste übrig sind, die „immerhin noch mehr als drei Meter in die Höhe ragen“. Die Burg wurde um 1332 erstmals schriftlich erwähnt und stand als Wasserburg kaum hundert Meter vom Ufer entfernt.
Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege führt die Stelle in der Denkmalliste knapper und genauer: „Ruine der ehem. Burg Degelstein im Lindenhofpark, Mauerreste des 1839 abgebrochenen Weiherschlösschens“. Erste Erwähnung und Abbruch sind damit zwei verschiedene Daten aus zwei verschiedenen Quellen — keines von beiden ist das Baujahr.
Für das Rad gibt es am Lindenhofbad eine Abstellanlage der Stadt mit drei abschließbaren Ladeboxen. Die Stadtbuslinie 4 Richtung Alwind bedient den Park, als Rückweg scheidet sie aber aus: Zum Lindauer Stadtbus heißt es ausdrücklich „Eine Mitnahme von Fahrrädern ist allerdings nicht gestattet.“
Der Hochbucher Drumlin, von Lindau Tourismus als Entenberg geführt, ist einer der länglichen Eiszeithügel über der Stadt. Am Weg hinauf steht ein Weinberghüter-Häuschen, das nach derselben Quelle seit mehr als 300 Jahren dort steht. Eine gemessene Höhe des Hügels nennt keine Quelle: Die Angabe, Drumlins seien „um die zehn Meter hoch, manchmal aber auch bis zu 40 Meter“, beschreibt die Geländeform allgemein und misst nicht diesen Hügel.
Belegt ist dagegen der Findling bei Hochbuch. Das Bayerische Landesamt für Umwelt führt ihn im UmweltAtlas als Geotop 776R006 und beschreibt ihn als kantigen Block „aus grau-grünlichem, engzeiligem Gneis“, den „der Rhein-Bodensee-Vorlandgletscher im Spätglazial hier abgelagert“ hat. Der Steckbrief nennt eine Größe von fünf mal drei Metern, eine Geländehöhe von 433 Metern über Normalnull, den Zustand „gut erhalten“ und die Erreichbarkeit „anfahrbar“. Als Schutzstatus steht dort „kein Schutzgebiet“, und vergleichbare Geotope sind in der Region nach Einstufung des Amtes selten.
Die Gerberschanze am Rand der Insel ist eine freie Badestelle, die Lindau Tourismus mit „kleiner Steinstrand & Treppenzugang“ beschreibt. Das Frage-und-Antwort-Angebot derselben Organisation nennt an dieser Stelle dagegen eine Leiter ins Wasser. Beide Angaben stehen dort, sie widersprechen sich, und entschieden wird das vor Ort.
Was dort nicht geht, steht klarer. Feuer sind am gesamten bayerischen Bodenseeufer verboten, gegrillt wird nur an ausgewiesenen Grillstellen, und die Gerberschanze gehört nicht dazu. Glasflaschen und Gläser sind nach der Satzung in den Seezugangsbereichen untersagt, und der Strandbereich der Gerberschanze ist darin namentlich aufgeführt. Zelten und Nächtigen sind in den Anlagen ebenfalls untersagt. Bei Hunden lohnt der genaue Blick: Die Satzung verbietet, Hunde in Uferbereichen an öffentlichen Seezugängen frei laufen zu lassen, während die Badeseite von Lindau Tourismus an derselben Stelle nur bittet, den Hund an hoch frequentierten Stellen nicht ins Wasser zu lassen. Die Bitte ersetzt die Pflicht nicht.
Mit dem Rad im Zug ist die Lage derzeit unübersichtlich. Die Stadt Lindau meldete am 18. September, das Gleis Richtung Friedrichshafen gehe nach Planung der Bahn „erst am Dienstag, 3. November, wieder in Betrieb“; bis dahin fährt zwischen Wasserburg und Lindau-Reutin ein Schienenersatzverkehr. Ob die Ersatzbusse Räder mitnehmen, sagt die Meldung nicht. Im Verbund bodo ist die Mitnahme auf den Zugstrecken nach Lindau montags bis freitags zwischen 6 und 9 Uhr kostenpflichtig und sonst kostenlos, in den Zügen der DB Regio Bayern Richtung Oberstaufen dagegen immer. Im Bus geht sie nur auf Landkreislinien mit zweistelliger Liniennummer, höchstens zwei Räder, und Pedelecs sowie E-Bikes sind davon ausgenommen.
Noch eine Baustelle am Weg: Der gemeinsame Geh- und Radweg zwischen Heuriedweg und Rickenbacher Straße ist nach Mitteilung der Stadt seit dem 15. September und voraussichtlich bis einschließlich 9. Oktober vollständig gesperrt, eine Umleitung ist ausgeschildert. Für die drei Ziele dieses Tages liegt sie abseits, für die Anfahrt aus Richtung Reutin nicht.
Nur auf ausgeschilderten Wegen. Die Grünanlagensatzung der Stadt Lindau untersagt Radfahren außerhalb der dafür ausgeschilderten Wege und Flächen, und beide Anlagen stehen in ihrem Verzeichnis. Welche Wege dort ausgeschildert sind, nennt die Satzung nicht. Bei vorsätzlichem Verstoß sind Geldbußen bis zu 2.500 Euro möglich.
Für den Lindenhofpark mit der Burgruine nennt Lindau Tourismus ausdrücklich freien Eintritt bei ganzjähriger Öffnung ohne zeitliche Beschränkung. Die Gerberschanze ist Teil der städtischen Grünanlagen, die laut Satzung der Allgemeinheit unentgeltlich dienen. Für den Hochbucher Drumlin nennt keine der Quellen eine Gebühr oder eine Öffnungszeit.
Nein. Zum Stadtbus heißt es ausdrücklich, eine Mitnahme von Fahrrädern sei nicht gestattet. Im Verbund bodo gibt es im Bus nur eine Ausnahme für Landkreislinien mit zweistelliger Nummer, dort höchstens zwei Räder und ohne Pedelecs und E-Bikes. Die Stadtbuslinien 1 bis 5 fallen nicht darunter.
Das ist nicht belegt. Lindau Tourismus beschreibt Drumlins allgemein als um die zehn Meter hoch und bis zu 40 Meter, misst damit aber die Geländeform und nicht diesen Hügel. Eine Höhe des Entenbergs nennt keine der abgerufenen amtlichen Quellen, auch der Geotop-Steckbrief nicht.
Ein kantiger Block aus grau-grünlichem, engzeiligem Gneis, den der Rhein-Bodensee-Vorlandgletscher im Spätglazial dort ablegte. Das Bayerische Landesamt für Umwelt nennt in seinem Steckbrief fünf mal drei Meter Größe, den Zustand gut erhalten und als Schutzstatus ausdrücklich kein Schutzgebiet. Die Stelle ist anfahrbar.