
Du planst eine Strecke, und zwei Werkzeuge nennen unterschiedliche Höhenmeter. Die Versuchung ist groß, die Differenz für einen Rechenfehler zu halten. Meistens ist sie keiner. Ein Höhenprofil entsteht, indem eine Strecke über ein Geländemodell gelegt wird — und die verfügbaren Modelle messen verschiedene Dinge, in verschiedener Auflösung, aus verschiedenen Jahren. Wer das weiß, liest die Zahl anders.
Zwei Datenquellen dokumentieren ihre Eigenschaften öffentlich und taugen deshalb als Maßstab. Die eine ist das Copernicus DEM. Es liegt in drei Ausprägungen vor — EEA-10, GLO-30 und GLO-90 mit 10, 30 und 90 Metern Auflösung — und beruht auf Aufnahmen der Mission TanDEM-X zwischen 2011 und 2015. Das Copernicus Data Space Ecosystem gibt die absolute Höhengenauigkeit mit unter 4 Metern an (90 Prozent linearer Fehler), die relative mit unter 2 Metern bei Hangneigungen bis 20 Prozent und unter 4 Metern darüber.
Die andere ist das Digitale Geländemodell des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie. Das DGM5 hat eine Gitterweite von 5 Metern und wird aus dem feineren DGM1 durch Neuinterpolation abgeleitet. Sein Fortführungszyklus ist unregelmäßig, und das Produkt steht nur einem eingeschränkten Kreis Nutzungsberechtigter zur Verfügung — es taucht deshalb seltener in frei zugänglichen Werkzeugen auf als die Copernicus-Daten.
Eine dritte Angabe wird selten beachtet und wirkt doch mit: Die absolute horizontale Genauigkeit des Copernicus DEM liegt bei unter 6 Metern (90 Prozent zirkulärer Fehler). Läuft dein Weg dicht an einer Hangkante entlang, kann die Strecke im Modell also in der Nachbarzelle landen — und damit auf einem Höhenwert, der zum Hang gehört und nicht zum Weg.
Hier liegt der Unterschied, der die meisten Abweichungen erklärt. Das Copernicus DEM ist ein Digitales Oberflächenmodell: Es bildet die Erdoberfläche einschließlich Gebäuden, Infrastruktur und Vegetation ab. Ein Geländemodell wie das DGM beschreibt dagegen den Boden.
Für dich auf dem Rad heißt das: Ein Waldweg, der eben verläuft, kann im Oberflächenmodell Höhenmeter erzeugen, weil das Modell an der Baumkrone misst und nicht am Weg darunter. Führt die Strecke abwechselnd durch Bestand und über Feld, springt die Linie im Profil. Die Summe am Ende wächst, ohne dass deine Beine davon etwas merken. Dieselbe Strecke, sauber auf ein Geländemodell gelegt, ergibt eine deutlich kleinere Zahl.
Die zweite Größe ist die Auflösung. Ein Raster von 30 Metern mittelt alles, was zwischen zwei Gitterpunkten liegt. Eine kurze, steile Rampe unter einer Bahnbrücke kann darin verschwinden; im 5-Meter-Raster bleibt sie eher stehen. Umgekehrt erzeugt ein feines Raster mehr Rauschen: Jede kleine Unebenheit zählt mit, und ohne Glättung summieren sich Zentimeterschritte über eine Tagesetappe zu einer eindrucksvollen, aber nutzlosen Zahl.
Deshalb sagt eine Höhenmeterangabe ohne Angabe des Modells und der Glättung wenig aus. Zwei Werte lassen sich nur dann vergleichen, wenn beide aus derselben Quelle mit derselben Rechenweise stammen. Der Vergleich zwischen zwei Anbietern misst am Ende deren Verfahren, nicht die Strecke.
Drei Dinge führen in die Irre. Erstens: zwei abweichende Angaben mitteln. Das erzeugt eine dritte Zahl, für die es keine Quelle gibt. Zweitens: Höhenmeter mit Anstrengung gleichsetzen. Gegenwind auf dem flachen Deich kann mehr fordern als eine verteilte Steigung im Hügelland. Drittens: aus der Gesamtsumme auf die Steilheit schließen. Eine Tour um den Köterberg kann dieselbe Summe haben wie eine lange Welle im Weserbergland — nur verteilt sie sich auf wenige harte Rampen statt auf zwanzig sanfte.
Wir veröffentlichen aus diesem Grund auf Tourenseiten keine Höhenmeter, solange sie allein aus einer Datenquelle stammen und keine Primärquelle sie bestätigt. Eine Zahl, die niemand nachprüfen kann, hilft bei der Planung nicht. Was stattdessen hilft: der Blick auf den Verlauf des Profils, auf die Länge der Anstiege und darauf, ob der Weg am Hang liegt — der Weser-Skywalk ist genau deshalb zu Fuß erreichbar und nicht mit dem Rad.
Weil sie verschiedene Geländemodelle verwenden und verschieden glätten. Das Copernicus DEM misst die Oberfläche einschließlich Vegetation und Gebäuden, ein Geländemodell wie das DGM des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie beschreibt den Boden. Dazu kommt die Auflösung: 30 Meter Gitterweite mitteln weg, was ein 5-Meter-Raster noch abbildet.
Das Copernicus Data Space Ecosystem gibt die absolute Höhengenauigkeit mit unter 4 Metern an, bezogen auf 90 Prozent linearen Fehler. Relativ liegt sie unter 2 Metern bei Hangneigungen bis 20 Prozent und unter 4 Metern darüber. Die Daten stammen aus der Mission TanDEM-X und wurden zwischen 2011 und 2015 aufgenommen.
Die Gitterweite ist der Abstand zwischen zwei Höhenpunkten im Modell. Das DGM5 des Bundesamts arbeitet mit 5 Metern und wird aus dem feineren DGM1 abgeleitet. Je größer der Abstand, desto mehr kurze Rampen verschwinden im Mittelwert — und desto glatter wirkt eine Strecke, die in Wirklichkeit wellig ist.
Nur eingeschränkt. Vergleichbar sind Werte, die aus derselben Datenquelle mit derselben Rechenweise stammen. Stehen zwei Zahlen aus verschiedenen Modellen nebeneinander, vergleichst du die Verfahren und nicht die Strecke. Mittele die beiden Angaben nicht: Das Ergebnis hat dann gar keine Quelle mehr hinter sich.
Weil wir Höhenangaben nur veröffentlichen, wenn eine Primärquelle sie trägt. Werte, die allein aus einem Geländemodell stammen, lassen sich mit den uns vorliegenden Daten nicht gegenprüfen. Statt einer Zahl ohne Beleg beschreiben die Tourenseiten den Verlauf: wo es ansteigt, wie lang der Anstieg ist und was dich oben erwartet.