
Mehr als 40 Prozent der Autofahrten in deutschen Großstädten sind kürzer als fünf Kilometer — das hält das Umweltbundesamt auf seiner Seite zum Radverkehr fest. Beim Arbeitsweg zeigt sich ein ähnliches Bild: 27 Prozent der abhängig Beschäftigten haben weniger als fünf Kilometer bis zur Arbeit, und 65 Prozent aller Beschäftigten fahren mit dem Auto dorthin. Wer solche Wege aufs Rad verlegt, will wissen, was das bringt. Die Antwort hängt daran, welche Zahl gemeint ist.
Das Umweltbundesamt führt die Tabelle „Vergleich der durchschnittlichen Emissionen einzelner Verkehrsmittel im Personenverkehr in Deutschland". Für das Jahr 2024 steht dort der Pkw über alle Antriebe bei 164 Gramm Treibhausgas je Personenkilometer, das Pedelec bei 3 Gramm. Dazwischen liegen die Eisenbahn im Nahverkehr mit 44 Gramm und der Linienbus im Nahverkehr mit 90 Gramm.
Entscheidend ist die Einheit. Der Pkw-Wert gilt je Personenkilometer und setzt eine Auslastung von 1,4 Personen je Fahrzeug voraus. Ein Fahrzeugkilometer ist damit nicht gemeint: Wer allein fährt, liegt darüber, wer zu viert fährt, darunter. Die Fußnote nennt CO₂-Äquivalente nach AR5 und rechnet die Bereitstellung und Umwandlung der Energieträger mit ein. Datengrundlage ist das Modell TREMOD 6.71B.
Auf der Startseite steht ein Schieberegler von 10 bis 200 Kilometern pro Woche. In der Voreinstellung von 50 Kilometern nennt er rund 480 Kilogramm CO₂, rund 440 Euro Spritkosten und rund 53.000 Kilokalorien im Jahr. Darunter übersetzt die Seite den Betrag in Alltagsgrößen: Kinoticket, Essen gehen, Fahrradinspektion.
Woran die Zahlen hängen, sagt der Fußtext selbst: „Durchschnittswerte zur Orientierung. In der App rechnet Biketour.Guide mit deinen echten Fahrzeug- und Preisdaten — die Statistik-Tiefe dazu ist Pro." Der Regler zeigt also eine Größenordnung, keine persönliche Bilanz.
Das Umweltbundesamt rechnet an anderer Stelle ein Beispiel vor: Wer je fünf Kilometer mit dem Rad zur Arbeit hin und zurück fährt, spart durch den Verzicht auf das Auto im Jahr durchschnittlich rund 330 Kilogramm CO₂. Der Regler kommt bei 50 Kilometern pro Woche auf rund 480 Kilogramm. Beide Angaben sind belegt und widersprechen einander nicht — sie unterstellen verschiedene Jahresstrecken. CO₂ sparen mit dem Rad ist deshalb keine einzelne Zahl, sondern eine Frage der Bezugsgröße.
Die Entfernungsklassen des Statistischen Bundesamts geben die Reihenfolge vor. 27 Prozent der Beschäftigten fahren unter fünf Kilometer zur Arbeit, weitere 22 Prozent zwischen fünf und zehn. Das sind die Strecken, auf denen ein Rad ohne Umgewöhnung mithält.
29 Prozent liegen zwischen zehn und 25 Kilometern. Die Elberadweg-Etappe von Dresden nach Meißen misst 25 Kilometer und zeigt, was am oberen Ende dieser Klasse an einem Stück zu fahren ist. Flaches Gelände hilft beim Umstieg: Das Ammerland hat praktisch keine Steigungen, dafür Wind aus Nordwest, und die Ammerland-Route legt 165 Kilometer durch diese Landschaft.
Für längere Arbeitswege ist die Kombination aus Rad und Bahn die zweitbeste Rechnung. Die Eisenbahn im Nahverkehr steht in derselben Tabelle bei 44 Gramm je Personenkilometer, in elektrischer Traktion bei 35, mit Dieseltraktion dagegen bei 77. Der Linienbus im Nahverkehr liegt bei 90 Gramm, angesetzt mit einer Auslastung von 16 Prozent. Wer ein Stück fährt und ein Stück rollt, verschiebt seine Bilanz also danach, welche Strecke elektrifiziert ist.
Den Wert von 164 Gramm als Verbrauch eines einzelnen Autos lesen. Er ist ein Durchschnitt über alle Antriebsarten und setzt 1,4 Personen im Fahrzeug voraus; dieselbe Tabelle nennt für den Diesel-Pkw 175 und für den Elektro-Pkw 70 Gramm je Personenkilometer.
Ebenso wenig taugt die Zahl des Reglers als eigene Bilanz. Sie beruht auf Durchschnittswerten, nicht auf deinem Fahrzeug und deinem Spritpreis. Und die Fußnote des Umweltbundesamts nennt ausdrücklich die Bereitstellung und Umwandlung der Energieträger — vom Bau der Fahrzeuge steht dort nichts.
Das Umweltbundesamt nennt für den Pkw 164 Gramm Treibhausgas je Personenkilometer und für das Pedelec 3 Gramm. Als Beispiel rechnet es vor, dass eine Person, die je fünf Kilometer mit dem Rad zur Arbeit hin und zurück fährt, im Jahr durchschnittlich rund 330 Kilogramm CO₂ spart. Beide Werte gelten je Personenkilometer.
Weil der Akku Strom braucht und die Tabelle den durchschnittlichen deutschen Strommix zugrunde legt. Mit 3 Gramm Treibhausgas je Personenkilometer liegt das Pedelec trotzdem unter jedem motorisierten Verkehrsmittel der Übersicht. Die Auslastung ist mit einer Person je Pedelec angesetzt, beim Pkw dagegen mit 1,4.
Für die Bilanz ja, mit Abstufungen. Die Eisenbahn im Nahverkehr steht bei 44 Gramm je Personenkilometer, elektrisch gefahren bei 35 und mit Dieseltraktion bei 77. Der Linienbus im Nahverkehr liegt bei 90 Gramm. Alle drei bleiben unter dem Pkw-Durchschnitt von 164 Gramm.
Der Regler arbeitet nach eigener Angabe mit Durchschnittswerten zur Orientierung. In der App rechnet Biketour.Guide stattdessen mit deinen eigenen Fahrzeug- und Preisdaten; die Statistiken dazu gehören zu Pro. Für eine belastbare persönliche Bilanz brauchst du also deine Werte, nicht den Regler.
Die Tabelle führt den Elektro-Pkw mit 70 Gramm Treibhausgas je Personenkilometer, den Hybrid mit 111, den Benziner mit 165 und den Diesel mit 175. Der Elektro-Pkw liegt damit deutlich unter dem Durchschnitt aller Antriebe und weiterhin klar über dem Pedelec mit 3 Gramm.